Das macht sprachlos!

Ich habe schon länger nichts mehr von mir hören lassen. Ich arbeite wieder voll, darum habe ich auch nicht mehr so viel Zeit wie in der Corona-Lockdown Phase.

Aber nichts desto Trotz geht das Leben weiter. Heute möchte ich Euch zwei Geschichten weitergeben, die ich selbst kaum glauben kann. Man würde es eigentlich in der heutigen Zeit nicht für möglich halten. Aber der Reihe nach

Auch ein behindertes Kind wird erwachsen

Genau so ist es, und dies ist eine Zeit, in der sehr viel organisiert und vorbereitet sein muss. Denn wenn das Kind 18 wird, ist es ja eigentlich volljährig. Eine Sache, die dabei erledigt werden muss, ist dass man die Beistandschaft für das Kind beantragen muss. Ab 18 braucht es einen Beistand. Aber wer soll die Entscheidungen für mein Kind treffen in Zukunft. Natürlich wollen das meine Frau und ich weiterhin machen für Michael. Wer sonst kennt ihn so gut, dass er nur mit ansehen seinen Zustand beurteilen kann? Ich behaupte mal niemand.

Zuständig dafür ist die KESB. Also haben wir munter nachgefragt, was denn gemacht werden muss, dass wir die Beistandschaft übernehmen können. Ist gar nicht so schwierig, ein Schreiben, dass man das gerne möchte mit einer Vorstellung aller Personen soll erstellt werden. Haben wir gemacht und es war sogar möglich, dies per Mail zuzustellen. Die Behörde werde uns dann mal auf ein Gespräch einladen, um alle Beteiligten kennenzulernen. Verstehe ich und finde ich gut, auch ich möchte die Person, die darüber entscheidet, gerne mal persönlich sehen. Und so haben wir einen Anruf erhalten um einen Termin für das Gespräch zu finden. Auch dies war kein Problem, als Lokführer habe ich ja schliesslich oft an Tagen und Zeiten frei, wenn andere nicht können. Ein Termin wurde schnell gefunden. Nun warum schreibe ich hier darüber, wirst Du Dich bestimmt schon fragen?

Hier die Antwort: Zum Glück stellte meine Frau am Telefon die aus unserer Sicht eigentlich unnötige Frage, ob es denn bei der KESB in unserem Kanton rollstuhlgängig ist. Für mich war das gar keine Frage, ich habe dort, als das Büro eingerichtet wurde, damals noch als Plattenleger mal eine Arbeit erledigt. Also so alt ist das Gebäude nicht, wo soll denn das Problem sein. Es wurde gefragt, wie breit denn der Rolli sei. Wir gaben das Mass durch und man sagte uns, dass wir noch Bescheid bekommen werden.

Nun, in den letzten Tagen ist die schriftliche Bestätigung des Termins eingetroffen. Wir sind herzlich dazu eingeladen, aber ohne unseren Sohn, da der Rollstuhl wohl ins Gebäude kommt, aber die Eingänge zu den Sitzungszimmern leider nicht breit genug sind.

Das macht mich sprachlos!! Da wird im Kanton gefordert, dass man zum Beispiel die Herrengasse in Damengasse umbenennen sollte, da machen sich diverse PolitikerInnen dafür stark. (ist nur ein Beispiel für aus meiner Sicht unnötige Übungen, es gibt wohl Beispiele aus allen Lebensbereichen), aber dass ein behindertes Kind im Rollstuhl bei der zuständigen Behörde durch eine Türe passt, interessiert niemanden.

Was ist mit Militär?

Die zweite Anekdote lieferte das Militär, oder besser gesagt das Kreiskommando. Michael hat Post bekommen, eine Voranzeige, dass er einen Informationsanlass wegen dem Stellungstag besuchen muss. Ach ja, das kommt ja auch noch, dachte ich mir. Also ein kurzer Anruf beim Absender, erklärt dass unser Sohn schwerst-mehrfachbehindert ist und gefragt, was denn nun zu unternehmen sei.

Wir sollen mit einem Schreiben die Behinderung des Sohnes belegen und uns bei der Rekrutierungsstelle melden, war die Antwort. Also in die Tasten gehauen, ein kurzes Mail verfasst, ein Scan der Verfügung für schwere Hilflosigkeit angehängt und abgeschickt.

Daraufhin kam die Antwort, dass es sich nur um eine Vorinformation gehandelt hat. Michael wird eine Einladung erhalten, wo dann beschrieben sei, was man im Falle einer Behinderung unternehmen müsse. Man muss dann noch Unterlagen einreichen. Die Behörde könne keine Infos direkt bei der IV holen, aus Datenschutzgründen, stand da noch geschrieben, weil ich für weitere Infos direkt zur IV verwiesen habe. Also werde ich, wenn es an der Zeit ist, das selbe Mail nochmals senden, da man das jetzt nicht gleich aufnehmen konnte. Eine Bekannte erzählte mir, dass Sie einen Schriftwechsel über ca. 5 Schreiben brauchte, bis geglaubt wurde, dass der Sohn behindert ist und kein Militär leisten kann. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich nicht so viele Schreiben machen werde, sollte eines dann nicht reichen, werde ich wohl den Stellungstag mit Michael besuchen gehen. Wer mich kennt, weiss Bescheid.

Ach ja, habe ich noch vergessen. In der Mail fragte ich aus Interesse auch gleich nach, ob man noch eine Befreiung vom Militärpflichtersatz für Michael beantragen muss. Schliesslich hat er ja kein Einkommen. Hier lautete die Antwort, dass Sie von der IV Bescheid bekommen, wer Rentenbezüger ist und das Weitere dann direkt mitgeteilt wird, wenn es soweit ist. Jetzt stellt sich mir natürlich gleich wieder eine Frage, wieso wird dies von der IV an das Kreiskommando gemeldet, aber dass jemand seit Geburt schwerstbehindert ist kann nicht gemeldet werden wegen Datenschutz?

Versteht Ihr jetzt den Titel des heutigen Blogs? Ich hoffe es. Bis bald, liebe Grüsse, bleibt gesund!